Ab wann sind Verkäufe bei eBay gewerblich?

Auf eBay tummeln sich viele als Privatleute getarnte Händler, die ihre Umsätze steuerlich nicht ordnungsgemäß deklarieren. Deshalb überwachen inzwischen die Finanzämter planmäßig Aktivitäten auf eBay und forschen genauer nach, wenn jemand dort wiederholt Artikel verkauft.

Gewerblich ist man aber nur, wenn man ständig Gegenstände ankauft und wieder verkauft. Wer hingegen einen ganzen Haushalt auflöst und eine Vielzahl von privaten Gegenständen verkauft, ist eben nicht gewerblich tätig. Auch dann nicht, wenn es sich – wie im konkreten Fall – um 142 Pelzmäntel innerhalb von 14 Monaten handelt.

Übrigens muss nicht der eBay-Verkäufer nachweisen, dass er nicht unternehmerisch tätig ist, sondern das Finanzamt muss ihm das Gegenteil beweisen. (FG Baden-Württemberg, 18.07.12, 14 K 702/10, anhängig beim BFH, XI R 43/13)

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Pasing

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Die Pauschalsteuer für Geschenke ist meist nur Bluff

Geschenke über zehn Euro netto (ja, zehn Euro, nicht 35 Euro) sind beim Empfänger steuerpflichtig. Dem kann man entgehen durch die Pauschal­steuer in Höhe von 30 Prozent (§ 37 b EStG).

Das ist ein Wahlrecht: Sie als Schenker müssen diese 30-prozentige Steuer nicht bezahlen. Dem „freiwilligen“ Entschluss zur Zahlung dieser Steuer versuchen Steuer­prüfer bisweilen nachzuhelfen, indem sie mit Kontrollmitteilungen an die Finanzämter der Geschenkempfänger drohen.

Das hat uns nun ein befreundeter Betriebsprüfer verraten: Diese Drohung ist meistens nur Bluff. Kaum ein Lohnsteuerprüfer hat Lust, wegen 100 Weinflaschen für 15 Euro stundenlang Kontrollmitteilungen an alle möglichen Finanzämter zu verschicken. Dies umso mehr, als die daraus resultierende Mehrsteuer gar nicht in der Statistik des fleißigen Betriebsprüfers auftauchen würde. Die Drohung mit den Kontrollmitteilungen bei kleinen Geschenken ist also meistens nur ein zahnloser Tiger.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Pasing

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Wenn Sie EU-Ausländer beschäftigen

In Deutschland werden Fachkräfte dringend gesucht, und so arbeiten immer mehr gut qualifizierte Leute aus dem EU-Ausland bei uns. Wie ist das lohnsteuerlich?

Wenn derjenige hier wohnt, ergeben sich keine Unterschiede zur Beschäftigung von Deutschen. Oft ist es aber so, dass der Mitarbeiter (nur) eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort hat und die Familie im Heimatland bleibt. Hier passieren manchmal Fehler bei der Lohnabrechnung oder auch der Steuererklärung des Arbeitnehmers.


1. Fehler – nur halben Kinderfreibetrag berücksichtigt:
Deutsche Arbeitnehmer bekommen immer nur den halben Kinderfreibetrag (3.504 Euro), die andere Hälfte steht dem anderen Elternteil zu. Wenn aber der andere Elternteil im anderen EU-Land lebt, ist er nicht unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig, sodass dem Mitarbeiter hier in Deutschland der volle Kinderfreibetrag, also 7.008 Euro je Kind zusteht. (§ 32 Abs. 6 Nr. 1 EStG)

Hinweis: Die Ländergruppeneinteilung des BMF vom 04.10.11, gültig ab 2012 (BStBl. 2011 I, 961), ist bei Kindern in anderen EU-Ländern anzuwenden. (Schmidt-Kommentar zum EStG 2013, § 32 Rz 80)

2. Fehler – Lohnsteuerklasse III nicht gewährt: Normalerweise setzt die Zusammenveranlagung und damit Steuerklasse III für Ehegatten voraus, dass beide Ehegatten im Inland leben und hier unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig sind. Falls jedoch 90 Prozent des Ehegatteneinkommens in Deutschland anfallen und(!) das ausländische Einkommen maximal 16.260 Euro beträgt, ist der Splittingtarif auf Antrag auch dann möglich, wenn der Ehe­gatte im EU-Ausland lebt.

Beispiel: Andreas Hofer aus Innsbruck lebt dort mit seiner Frau und zwei Kindern. Unter der Woche arbeitet er in München, wo er eine Zweitwohnung hat. Hofer verdient in München 100.000 Euro, seine Frau in Innsbruck mit einem Nebenjob 8.000 Euro. Hofer kann von seinem Münchner Arbeitgeber die Lohnsteuerklasse III bekommen und bei seiner deutschen Einkommensteuererklärung Zusammenveranlagung wählen, obwohl seine Frau nicht in Deutschland wohnt.

Grund: Über 90 Prozent des Familieneinkommens fallen in Deutschland an, und die Einkünfte der Frau unterschreiten die Grenze des doppelten Grundfreibetrags (§ 1a Abs.1 Nr. 2 i. V. m. 1 Abs. 3 EStG). Das Ehepaar bekommt
zwei x 7.008 Euro Kinderfreibetrag.

Übrigens: Wäre die Zusammenveranlagung nicht möglich oder gewünscht, bekäme Hofer trotzdem zwei x 7.008 Euro Kinderfreibetrag (s. o.). Außerdem kann Hofer die Miete in München und die Kosten der Familienheimfahrten als Kosten einer doppelten Haushaltsführung absetzen.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Pasing

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Finger weg von Geschlossenen Fonds – und zwar von allen

In Deutschland darf ein Anlagemodell an Privatleute verkauft werden, das in vielen anderen Ländern für den öffentlichen Vertrieb verboten ist: geschlossene Fonds.

Diese heißen so, weil nach dem vollständigen Verkauf der Geschäftsanteile ein weiterer Eintritt von Gesellschaftern nicht mehr möglich ist, und für die bereits eingetretenen Gesellschafter auch kein Austritt mehr. Die Anteile sind bis zur Abwicklung 20 oder 30 Jahre später unverkäuflich, das Geld steckt fest.

In den achtziger Jahren investierten die geschlossenen Fonds meist in Wohnungsmodernisierungen in West-Berlin, in den neunziger Jahren waren es Ost-Immobilien und in den letzten zehn Jahren ging es hauptsächlich um Schiffe, Kinofilme und Windparks.

Drei Gründe, warum ich von allen Geschlossenen Fonds abrate:

  1. Die maximal mögliche Rendite (oft genug kommt es ohnehin zu gar keiner) ist in Anbetracht des massiven Risikos viel zu niedrig.
  2. Geschlossene Fonds sind meistens mit überzogenen „weichen Kosten“ für Vertrieb, Kreditbeschaffung, Platzierungsgarantie usw. überfrachtet.
  3. Die Immobilien/Windräder/Schiffe im Besitz des Fonds werden vorher in aller Regel über mehrere Zwischengesellschaften durchgehandelt, wo die Anbieter des Fonds zuvor jedes Mal mitverdienen. Durch die derart überhöhten Einstandspreise sind Verluste für die Anleger programmiert.

Fazit: Selbst wenn jeder zehnte Geschlossene Fonds unerwartet ein Erfolg wird, ändert das nichts daran, dass die Masse der Geschlossenen Fonds nicht zu empfehlen sind. Oder würden Sie mit einer Fluggesellschaft fliegen, bei der immerhin jedes zehnte Flugzeug nicht abstürzt?

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Pasing

Wann keine Erbschaftssteuer fürs Elternhaus anfällt

Wenn Kinder das (maximal 200 m² große) Haus ihrer Eltern erben, das diese zuvor selber bewohnt haben, ist dieser Erwerb von der Erbschaftssteuer befreit (§ 13 Abs. 1 Nr. 4c Erbschaftssteuergesetz).

Voraussetzung ist, dass die Eltern bis zum Tode darin gewohnt haben (oder aus wichtigen Gründen, zum Beispiel Pflegeheim, daran gehindert waren) und dass das Kind sofort nach dem Erbfall einzieht.

In einem konkreten Fall erbte ein Professor das Familieneigenheim des Vaters und zog aber nicht selber ein, sondern vermietete es. Er sagte, er sei nicht in der Lage selbst einzuziehen, weil er laut Arbeitsvertrag am Sitz seiner Universität wohnen müsse. Da müsse das Finanzamt doch eine Ausnahme machen.

Pech gehabt: Die Vorschrift lässt zwar wohl für die Eltern Ausnahmen zu, nicht aber für die Kinder. Diese müssen unverzüglich nach dem Erbfall selber einziehen, sonst ist die Steuerbefreiung für das Eigenheim dahin (FG Münster, 31.01.13, 3 K 1321/11, amtlich n. v.). Der Bundesfinanzhof muss hier jetzt das letzte Wort sprechen (Az. II R 13/13).

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Pasing

Nun doch Werbungskosten bei Kapitaleinkünften?

Mit Einführung der Abgeltungssteuer 2009 wurde der Abzug von Werbungskosten abgeschafft. Wer also zum Beispiel Aktien auf Kredit kauft oder wer einen Vermögensverwalter bezahlt, kann Zinsen bzw. Gebühren nicht mehr absetzen. Dieses Abzugsverbot gilt auch für ganz normale Depotgebühren.

Seit jeher wurde bezweifelt, ob das verfassungsgemäß ist. Denn wer Einnahmen versteuern soll, dem muss man (eigentlich) erlauben, seine Kosten dagegen zu rechnen.

Nun gibt es ein erstes Urteil, das an dem Abzugsverbot zweifelt. Das Urteil betrifft zwar den Sonderfall, dass der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent liegt, aber vielleicht wird im weiteren Verfahren das Werbungskostenabzugsverbot generell gekippt. (FG Baden-Württemberg, 17.12.12, Az 9 K1637/10/ Revision beim BFH unter dem Aktenzeichen VIII R 13/13)

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Pasing